Was ist protestantisch?

Riga-Bruvers

Rita Bruvers, Referentin für Ökumene im Kirchenamt der Ev.-Luth. Kirche in Lettland:
„Nicht unser Verdienst, sondern Gottes Gnade ist das Entscheidende. Das ist die deutlichste Erklärung von Gottes Liebe zu den Menschen, die es gibt. Das Luthertum hat viel für die Entstehung der lettischen Nation getan. Lettisch und lutherisch, das passt gut zusammen.“

Riga-Boiko

Ivars Boiko, Eisenbahnmanager und Mesner im Dom zu Riga:
„Ich bin nicht christlich aufgewachsen und habe mich bei allen umgehört. Bei den Orthodoxen und Katholiken stört mich das große Gewicht der Tradition. Bei uns zählt die Bibel. Viele Katholiken in Lettland haben die Bibel noch nie gesehen. Der lutherische Glaube ist auch für die lettische Identität wichtig.“

Riga-Godins

Elijs Godins, Domkapitular im Dom zu Riga:
„Das wichtigste ist für mich, dass ich wirklich frei sein kann. Wir leben zwar in einer Tradition, aber ich erlebe diese Tradition als meine Wahl und nicht als meine Pflicht. Im Rahmen dieser Tradition habe ich viel Raum.“

Riga-Morics

Juris Morics, Pfarrer in Baldone:
„Für uns ist die Bibel als Gottes Wort die höchste Autorität. Organisatorisch ist für uns die höchste Instanz die Gemeinde, und nicht ein Bischof. Insgesamt sind die Gemeinsamkeiten zu anderen christlichen Glaubensrichtungen aber wichtiger als die Unterschiede.“

Riga-Kupics

Ivars Kupcis, Redakteur der Monatszeitung „svetdienas rits“ in Riga:
„Wir sind die einzige Kirchenzeitung für ganz Lettland. Da gewöhnt man sich eine ökumenische Sichtweise an. Was wir publizieren, soll nicht nur die Lutheraner interessieren. Ich glaube, dass wir journalistischer an Dinge herangehen können als andere, von denen man vor allem erwartet, dass sie Sprachrohre ihrer eigenen Kirche sind.“

Riga-reca

Inga Reca, Chefredakteurin der Monatszeitung „svietdienas rits“ in Riga:
„Ich habe über diese Frage noch nie ernsthaft nachgedacht. Freiheit der Rede, Freiheit der Gedanken – das sind so selbstverständliche Werte für mich. Wir mögen die anderen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mich dort auch so frei fühlen würde.“

Riga-Ante

Kristine Ante, Dozentin an der Philosophischen Fakultät der Universität Riga:
„In Lettland ist es nicht üblich, über die eigene Konfession groß zu sprechen. Für Protestanten sind sicher die Bibel und die Person Luthers besonders wichtig. Wenn man die Geschichte Lettlands und der lettischen Sprache ansieht, erkennt man, wie wichtig Bildung und Erziehung in der Kultur des Protestantismus sind.“

Riga-Muhka

Anna Muhka, Internationale Marketingbeauftragte „Riga - Kulturhauptstadt Europas 2014“:
„Der Protestantismus sollte für liberale, westliche Werte stehen, etwa im Vergleich und Abgrenzung zur Orthodoxie. In Lettland geschieht das leider nicht. Die protestantische Kirche wird ihre Bedeutung einbüßen, wenn sich die Bevölkerung, vor allem die Jüngeren, nicht mehr mit ihr identifizieren kann.“