Was ist protestantisch?

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Peter Detwiler, Ökumenereferent der reformierten Zürcher Landeskirche:
„Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche des christlichen Glaubens: Christus und das Wort. Uns fehlen die Leitplanken der Symbole und der Hierarchie. Das ist Stärke und Schwäche des Protestantismus zugleich.“

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Martin Breitenfeldt, Beauftragter der reformierten Zürcher Landeskirche für das Reformationsjubiläum:
„Die Kirchen der Reformation unterliegen einem stetigen Erneuerungsprozeß. Wir fragen uns: Was ist das Wesentliche? Vielleicht haben wir in unserer Geschichte manchmal etwas zu radikal entrümpelt. Das 500-jährige Jubiläum der Reformation hat da Potential zur Selbstreflexion.“

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Verena Mühletaler, Pfarrerin der Citykirche „Offener St. Jakob“:
„ Bei uns muss jeder den Weg zu Gott selbst finden, wir können das als Kirche nur unterstützen und begleiten, und zwar auf Augenhöhe. In der Schweiz unterstreichen wir das, indem wir keinen Talar tragen und sehr flache Hierarchien pflegen. Die jüdisch-christliche Tradition ist unsere Wurzel, die Bibel unsere Richtschnur. Aber wir sind in allem Fragende und Suchende.“

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Monika Lüthi, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Citygemeinde St. Jakob in der Flüchtlingshilfe:
„Ich bin kritisch-gläubig. Ich kann nicht definieren, wie die Kirche zu sein hat, jedenfalls aber muß sie so weltoffen sein wie hier in der Flüchtlingsarbeit, sonst würde ich mich nicht wohlfühlen. Wir machen hier etwas, was Jesus sicher auch gewollt hätte.“

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Ruth Wegmann, ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Präsenzdienst in der Citykirche St. Jakob:
„Mir gefällt nicht, dass Katholiken in gebückter Haltung zum Abendmahl gehen.  Ich glaube, dss wir uns freier fühlen dürfen. Aber ich bin sehr traurig, wie wenig Leute bei uns in die Kirche gehen. Da studiert ein Pfarrer ein paar Stunden über einer Predigt, und dann sitzen da zehn Leute. Neulich erlebte ich einen Gottesdienst der katholischen portugiesischen Gemeinde, da war die Kirche brechend voll.“

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Christoph Sigrist, Pfarrer am Großmünster:
„Unser Auftrag ist es, gesellschaftswirksam das Evangelium umzusetzen, in Liturgie, Bildung, Sozialem und in der Politik. Zwingli hat formuliert, dass es dazu eines „prophetisch-hofnärrischen Auftretens“ bedarf. Freiheit ist wichtig, aber nur Freiheit in Bezogenheit. Ich habe die Freiheit, auch als reformierter Pfarrer eine Beichte abzunehmen, wenn jemand das wünscht. Die Kirche ist für die Menschen da, nicht umgekehrt. Aber es gibt rote Linien für die Freiheit: Kommerz, Gewalt, Menschenverachtung. Das ist für uns „no go“.“

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Martin Rüsch, Pfarrer am Großmünster und Präsident des Zwingli-Vereins:
„Die protestantische Kirche muss sich immer mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzen. Die Bibel ist dabei unsere zentrale Quelle. Der Weg ist dabei immer diskursiv. Bei uns muß sich alles unbedingt immer von unten nach oben entfalten.“